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GemeinschaftspraxisDr. med. W. Frank
Dr. med. W. Lenze
Normannenstr. 4
33647 Bielefeld
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Fingerverkrümmungen / Morbus Dupuytren
Die Ursache der Dupuytrenschen Erkrankung ist bislang noch unbekannt. Symptom: In der Hohlhand bildet sich eine Vernarbung mit derben Strängen und Knoten aus, die zu einer Verkrümmung der Finger führt.
Die Erkrankung ist gutartig, manchmal in Schüben verlaufend und fortschreitend.
Die Finger krümmen sich in den Grundgelenken und Mittelgelenken und lassen sich nicht mehr strecken. Gelegentlich berühren im
Endstadium die Fingerkuppen der verkrümmten Finger die Hohlhandfläche. Die Finger werden im Laufe der Zeit nicht nur funktionslos, sondern sie sind eine Behinderung bei der Arbeit und bei der Körperhygiene.
Seit 1993 führen wir in lokaler Betäubung eine so genannte „minimal invasive“ Methode zur Fingerbegradigung durch, die Perkutane Nadel Fasziotomie (PNF). Bei über 2000 Patienten zeigte sich , dass die
Methode nicht nur gleichwertig zur operativen Behandlung mit Hautschnitten ist:
Die Rezidivgefahr, also die Gefahr, dass die Erkrankung erneut auftritt, ist nicht größer als bei der operativen Behandlung. Im Falle eines Rezidivs lässt sich die PNF jedoch genauso leicht wiederholen wie beim ersten Mal, während im Falle der Operation jeder weitere operative Eingriff aufgrund der Vernarbungen schwieriger wird.
Die Gefahr einer Nervenverletzung ist bei der PNF geringer als bei der Operation.
Die Heilung bei der PNF erfolgt innerhalb von Tagen, bei der Operation innerhalb von Wochen.
Die Gefahr von Entzündungen, Wundheilungsstörungen und Nervenverletzungen ist bei der PNF wesentlich geringer als bei der Operation.
Die Wiedereingliederung in das Erwerbsleben und die Sportfähigkeit sind bei der PNF viel kürzer als bei der Operation.
Die PNF dauert je nach Befund nur 10 - 30 Minuten und wird ambulant durchgeführt.
Dies sind wesentliche Vorteile der PNF für die Patienten gegenüber der herkömmlichen operativen Technik. Die Einsparung von Krankenhaustagen und die erhebliche Verkürzung der Arbeitsunfähigkeitszeiten sind darüber hinaus von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung.
Die Patienten fragen uns regelmäßig, warum die PNF nicht überall durchgeführt wird. Die Antwort ist, dass diese Behandlungsmethode schon vor langer Zeit in der medizinischen Literatur beschrieben wurde, aber völlig in Vergessenheit geriet. Kaum ein Chirurg oder Handchirurg kennt die PNF, geschweige denn er hat sie irgendwo gelernt. Wenn die Patienten aus dem Internet von dieser Behandlungsmethode erfahren und ihre behandelnden Ärzte fragen, dann erhalten sie immer die gleichen Reaktionen der meisten unserer Kollegen: Entweder ungläubiges Kopfschütteln über ein unbekanntes Verfahren oder offene Ablehnung nach dem Motto – was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht – oder aber die Antwort, dass man die derben Knoten und Stränge aus der Hand operativ entfernen muss, wenn man sie weghaben will.
Vor der Durchführung der PNF müssen die Patienten über verschiedene Dinge aufgeklärt werden:
1. Die derben Stränge und Knoten werden in Lokalanästhesie mit Kanülen (Nadeln) unter der Haut fächerförmig durchstochen und manuell aufgebrochen. Hände, die nicht voroperiert sind, lassen sich besser behandeln als vernarbte operierte Hände.
2. Krümmungen in den Grundgelenken lassen sich meistens vollständig aufheben, Krümmungen in den Mittelgelenken lassen sich oft zwar verbessern, aber manchmal nicht vollständig aufheben.
3. Bei lange bestehenden Fingerverkrümmungen ist die Haut im Gelenkbereich beugeseits manchmal unelastisch und ist mit dem darunterliegenden Narbensträngen verwachsen. Dann kann es vorkommen, dass die Haut an diesen Stellen über eine Strecke von wenigen Millimetern bis zu 2 cm bei der PNF einreisst. Dieser Defekt wird bei uns in der gleichen Sitzung mit einem kleinen Hautstück vom Unter- oder Oberarm gedeckt. Das Hautstückchen wird in lokaler Betäubung entnommen.
Im Falle einer Hauttransplantation ist dann die Ruhigstellung des betroffenen Fingers in einer 2-Finger- oder 3-Finger-Unterarmgipsschiene für 12 Tage erforderlich, damit die Haut gut einheilen kann.
Ansonsten braucht der Verband nach einer PNF nur einen Tag getragen zu werden. Eventuell kann nachts für 2 – 4 Wochen eine Finger-Unterarmschiene in Streckstellung der Finger getragen werden.
Für uns Chirurgen ist die PNF eine erhebliche Bereicherung und Erleichterung unserer täglichen Arbeit. Für den Patienten entstehen außer der lokalen Betäubung keine wesentlichen Schmerzen, die Behandlung erfolgt sehr schnell und die Patientenzufriedenheit ist sehr groß.
Oft kommen Patienten, die sich nie hätten operieren lassen, mit dem Ergebnis einer vollkommenen Zufriedenheit zu uns.
Natürlich handelt es sich bei der PNF nicht um eine Zaubermethode, sondern um eine handwerkliche chirurgische Tätigkeit, die erlernt werden muss. Mit der PNF wird das Rätsel um die Ursache des Morbus Dupuytren nicht gelöst. Die PNF ist jedoch allen Menschen mit Morbus Dupuytren zu empfehlen, die eine Fingerbegradigung ohne Hautschnitt wünschen, oder die bereits voroperiert unter einem Rezidiv leiden und sich nicht mehr operieren lassen möchten.
Die geschichtliche Entwicklung der perkutanen Nadelfasziotomie (PNF) beim Morbus Dupuytren.
1959 beschrieb J. Vernon Luck die subkutane Fasziotomie ( PNF ) als alternative Methode zur operativen Behandlung des Morbus Dupuytren.[1] Die radikale Entfernung der unter der Haut gelegenen Narbenstränge hielt Luck schon damals für überflüssig. Luck war jedoch der Ansicht, dass die Nadelfasziotomie ( PNF ) nicht im Bereich der Finger angewendet werden sollte.
Luck recherchierte, dass Astley Cooper 1823 erstmals die Nadelmethode bei einer Fingerverkrümmung anwandte. An der Wende zum 20. Jahrhundert etablierte sich jedoch das radikale Ausschneiden des Gewebes in der Hohlhand über Hautschnitte als sogenannte Therapie der Wahl.
Nach Luck´s umfangreicher Veröffentlichung über den Morbus Dupuytren und die Nadelmethode im Jahre 1959 kam es zu keiner erneuten Verbreitung der PNF. Sie geriet stattdessen für die folgenden 30 Jahre in Vergessenheit.
Erst 1993 beschrieben Jean-Francois Badois und Team erneut die Nadelfasziotomie. Ihrer Meinung nach war die PNF aber nur in den frühen Stadien des Morbus Dupuytren anwendbar.[2]
In Deutschland wurde diese Art der Behandlung 1993 von Kurt Groeben erstmals veröffentlicht. Aber auch für Groeben war die PNF nur eine Alternative zur operativen Behandlung. Und für Groeben waren Verkrümmungen in den Mittelgelenken der Finger „mit dieser Methode nicht lösbar“.[3]
Duthie und Chesney hielten 1997 in einem Zehnjahresüberblick die PNF nur bei denjenigen Patienten für nützlich, die sich als ungeeignet für die lokale radikale Fasziektomie erwiesen (also für die operative Behandlung mit Hautschnitten ).[4]
1997 beschrieben Jean-Luc Lermusiaux und Team die PNF erstmals als Methode der Wahl bei der Behandlung des Morbus Dupuytren.[5] Die operative Behandlung mit Hautschnitten sollte nach ihrer Meinung nur denjenigen Patienten vorbehalten bleiben, die mit dem Ergebnis nach PNF-Behandlung nicht zufrieden waren. Lermusiaux und Team erwähnten auch erstmals, dass die PNF in Kombination mit einer Hauttransplantation die Rate des Wiederauftretens der Fingerverkrümmung senken könnte.
1993 demonstrierte Kurt Groeben die PNF in unserer Praxis in Bielefeld. Erneut ein Jahrzehnt lang lag die PNF in Deutschland im Dornröschenschlaf. Wir waren zusammen mit Dr. Groeben die einzigen Anwender der PNF hierzulande.
Seit 1993 haben wir in Bielefeld die perkutane Nadelfasziotomie konsequent weiterentwickelt. Noch sind wir, zumindest in Deutschland, die einzigen Anwender der PNF in allen Erkrankungsstadien des Morbus Dupuytren und auch bei voroperierten Patienten.
Für uns in Bielefeld ist die PNF die Methode der Wahl. Die Ergebnisse der PNF sind hervorragend und zwar auch bei den Krümmungen in den Mittelgelenken der Finger. Außerdem ist die PNF im Falle eines Rezidivs (des Wiederauftretens der Fingerverkrümmung) genauso leicht zu wiederholen wie beim ersten Mal. Für die operative Behandlung mit Hautschnitten gibt es bei uns nur noch ein winziges Anwendungsspektrum und zwar bei vereinzelten Knoten, wenn sie schmerzhaft sind.
Dies haben wir auch im Oktober 2010 beim Handchirurgiekongress in Nürnberg zur Sprache gebracht. Solange wir keine Behandlungsmethode haben, die in jedem Fall Rezidive verhindert, gibt es unserer Meinung nach keine Alternative zur schonenden PNF.
[2] Badois, F.J., Lermusiaux, J.L., Masse, C. & Kuntz,D. Nonsurgical treatment of Dupuytren`s disease using needle fasciotomy. Rev Rhum ED Fr (1993) 60: 808-813.
[3] Groeben, K. & Groeben, H. Die Behandlung der Dupuytrenschen Kontraktur durch transkutane Fibrosenperforation und nachfolgende manuelle Redression. Orthop. Praxis (1993) 3: 189 -192.
[4] Duthie, R.A. & Chesney, R.B. Percutaneous fasciotomy for Dupuytren`s contracture: a 10 – year review. J Hand Surg (1997) 22B: 521-517.
[5] Lermusiaux, J.L., Lellouche, H., Badois, J.F. & Kuntz, D. How should Dupuytren`s disease be managed in 1997? Rev Rhum (Engl. Ed) (1997) 64 (12): 775-776.



