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Fingerverkrümmungen (Morbus Dupuytren)

Die Ursache der Dupuytrenschen Erkrankung ist bislang noch unbekannt.

Symptom: In der Hohlhand bildet sich eine Vernarbung mit derben Strängen und Knoten aus, die zu einer Verkrümmung der Finger führt.

Die Erkrankung ist gutartig, manchmal in Schüben verlaufend und fortschreitend.

Die Finger krümmen sich in den Grundgelenken und Mittelgelenken und lassen sich nicht mehr strecken. Gelegentlich berühren im Endstadium die Fingerkuppen der verkrümmten Finger die Hohlhandfläche. Die Finger werden im Laufe der Zeit nicht nur funktionslos, sondern sie sind eine Behinderung bei der Arbeit und bei der Körperhygiene.

Seit 1993 führen wir in lokaler Betäubung eine sogenannte "minimal invasive" Methode zur Fingerbegradigung durch, die Perkutane Nadel Fasciotomie (PNF). Bei über 2000 Patienten zeigte sich , dass die Methode nicht nur gleichwertig zur operativen Behandlung mit Hautschnitten ist:

  • Die Rezidivgefahr, also die Gefahr, dass die Erkrankung erneut auftritt, ist nicht größer als bei der operativen Behandlung. Im Falle eines Rezidivs lässt sich die PNF jedoch genauso leicht wiederholen wie beim ersten Mal, während im Falle der Operation jeder weitere operative Eingriff aufgrund der Vernarbungen schwieriger wird.
  • Die Gefahr einer Nervenverletzung ist bei der PNF geringer als bei der Operation.
  • Die Heilung bei der PNF erfolgt innerhalb von Tagen, bei der Operation innerhalb von Wochen.
  • Die Gefahr von Entzündungen und Wundheilungsstörungen ist nach der PNF geringer als nach der Operation.
  • Die Wiedereingliederung in das Erwerbsleben und die Sportfähigkeit sind bei der PNF wesentlich kürzer als bei der Operation.
  • Die PNF dauert je nach Befund 10 - 30 Minuten und wird ambulant durchgeführt.

Dies sind wesentliche Vorteile der PNF für die Patienten, gegenüber der herkömmlichen operativen Technik. Die Einsparung von Krankenhaustagen und die erhebliche Verkürzung der Arbeitsunfähigkeitszeiten sind darüber hinaus von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Die Patienten fragen uns regelmäßig, warum die PNF nicht überall durchgeführt wird. Die Antwort ist, dass diese Behandlungsmethode schon vor langer Zeit in der medizinischen Literatur beschrieben wurde, aber völlig in Vergessenheit geriet. Kaum ein Chirurg oder Handchirurg kennt die PNF, geschweige denn er hat sie irgendwo gelernt. Wenn die Patienten aus dem Internet von dieser Behandlungsmethode erfahren und ihre behandelnden Ärzte fragen, dann erhalten sie immer die gleichen Reaktionen der meisten unserer Kollegen: Entweder ungläubiges Kopfschütteln über ein unbekanntes Verfahren oder offene Ablehnung nach dem Motto - was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht - oder aber die Antwort, dass man die derben Knoten und Stränge aus der Hand operativ entfernen muss, wenn man sie weghaben will.

Vor der Durchführung der PNF müssen die Patienten über verschiedene Dinge aufgeklärt werden:

  1. Die derben Stränge und Knoten werden in Lokalanästhesie mit Kanülen (Nadeln) unter der Haut fächerförmig durchstochen und manuell aufgebrochen.
  2. Hände, die nicht voroperiert sind, lassen sich besser behandeln als vernarbte operierte Hände.
  3. Krümmungen in den Grundgelenken lassen sich meistens vollständig aufheben, Krümmungen in den Mittelgelenken lassen sich oft zwar verbessern, aber manchmal nicht vollständig aufheben.
  4. Bei lange bestehenden Fingerverkrümmungen ist die Haut im Gelenkbereich beugeseits manchmal geschrumpft und verkürzt. Dann kann es vorkommen, dass die Haut an diesen Stellen über eine Strecke von wenigen Millimetern bis zu 2 cm bei der PNF einreisst. Dieser Defekt wird dann bei uns in der gleichen Sitzung mit einem kleinen Hautstück vom Unter- oder Oberarm gedeckt. Das Hautstückchen wird in lokaler Betäubung entnommen.

Im Falle dieser Hauttransplantation ist dann die Ruhigstellung des betroffenen Fingers in einer 2-Finger- oder 3-Finger-Unterarmgisschiene für 12 Tage erforderlich, damit die Haut gut einheilen kann. Ansonsten braucht der Verband nach einer PNF nur einen Tag getragen zu werden. Eventuell kann nachts für 2 - 4 Wochen eine Finger-Unterarmschiene in Streckstellung der Finger getragen werden.

Für uns Chirurgen ist die PNF eine erhebliche Bereicherung und Erleichterung unserer täglichen Arbeit. Für den Patienten entstehen außer der lokalen Betäubung keine wesentlichen Schmerzen, die Behandlung erfolgt sehr schnell und die Patientenzufriedenheit ist sehr groß.

Oft kommen Patienten, die sich nie hätten operieren lassen, mit dem Ergebnis einer vollkommenen Zufriedenheit zu uns.

Natürlich handelt es sich bei der PNF nicht um eine Zaubermethode, sondern um eine handwerkliche chirurgische Tätigkeit, die erlernt werden muss. Mit der PNF wird das Rätsel um die Ursache des Morbus Dupuytren nicht gelöst. Die PNF ist jedoch allen Menschen mit Morbus Dupuytren zu empfehlen, die eine Fingerbegradigung ohne Hautschnitt wünschen, oder die bereits voroperiert unter einem Rezidiv leiden und sich nicht mehr operieren lassen möchten.